fliegen

fliegen

und ich fliegefliegefliege

Mit wenig Sommerklamotten in meinem bronzefarbenen Handgepäckkoffer, meinem viel zu schweren Rucksack und der braunen Tasche, aus der meine Eule Gudrun einen Flügel heraushängen lässt, steige ich jetzt endlich in den Flieger.

Rechte Seite, Reihe zehn, Fensterplatz und Kai neben mir. Kai, der früher von seinem Fußballtrainer “Girgl” genannt wurde, weil das eben passender ist in München.

Wir ratschen über sein Business, über drei Kreuzbandrisse vom Fußball und den bevorstehenden Italien Urlaub mit alten Freunden. 

“Da komm ich mir immer vor, wie bei der Bundeswehr, wenn wir uns alle wieder treffen mit unseren Rucksäcken!”

Ich puste mein Nackenkissen auf, aber nur halb, weil es mir so peinlich ist und ich höre nur noch:

“Gute Nacht.”

Nach einem kurzen Powernap schau ich aus dem Fenster:

“Schau Girgl, des is da Walchensee, da komm ich her”

Beide kleben wir gefühlt vor dem kleinen Flugzeugfenster und ich zeige ihm, welche Berge man dort unten sehen kann.

Zwischendurch bin ich froh, dass Girgl keinen Mundgeruch hat. Dafür fühle ich mich ein bisschen ranzig mit meinem weißen T-Shirt, das voller Kakao Flecken ist. Weil er eben so schick gekleidet ist, mit seinem dunkelblauen Poloshirt und der Anzughose.

Ich puste das Nackenkissen doch noch ganz auf, aber schaffs trotzdem nicht einzuschlafen.

Also reden wir weiter. Über Führungskräfte und Klettertürme, über freundlich sein und warme Herzen.

Die Landung ist ein bisschen holprig. Aber Girgl gibt mir ein sicheres Gefühl, weil er einfach weiterredet und so tut, als wäre nichts.

Danke dafür, Kai.

Endlich aussteigen. Nur noch kurz aufs WC, Spiegelselfie und ab in die Tram in Richtung Innenstadt.

Die erste italienische Sonne im Gesicht und ich bilde mir ein, dass es  nach Café riecht und meine Sommersprossen schon dunkler geworden sind.

Sechs Minuten Fußmarsch bis zum Hotel und ich gehe die alte Steintreppe bis in den dritten Stock nach oben, wo mich eine kleine Nonna mit "Ciao Signorina" begrüßt.

 

Mein Herz ist voll. 

Und auch, wenn mein Verstand noch nicht ganz nachgekommen ist, von den letzten Wochen, freu ich mich so sehr auf die Zeit in meinem Lieblingsland.

Ps. Jetzt wird erstmal Focaccia und Café gegönnt.

 

 

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